Herausforderungen bei der Erneuerung des Dünnbelags der Rethedoppelklappbrücke

Wie erneuert man einen Dünnbelag unter freiem Himmel, wenn die Verarbeitung des Beschichtungssystems witterungsabhängig ist?

Vor dieser besonderen Herausforderung standen wir bei der Erneuerung des Dünnbelags auf der Rethedoppelklappbrücke (RDB) im Hamburger Hafen. Die zeitlichen und betrieblichen Rahmenbedingungen erforderten eine präzise Planung, eine kontinuierliche Überwachung und vor allem eine hohe Flexibilität während der Bauausführung.

EB-Ingenieure-Rethedoppelklappbruecke-Nordklappe
Auftraggeber: Hamburg Port Authority AoR (HPA)
Projektzeitraum: 2026
Bauwerk: Rethedoppelklappbrücke
Leistungsbild: Bau- und Fertigungsüberwachung

Ausgangssituation: Erneuerung nach zehn Jahren intensiver Nutzung

Die Rethedoppelklappbrücke besteht aus einer Straßen- und einer Bahnklappbrücke und stellt eine wichtige Verkehrsverbindung im Hamburger Hafen dar.

Der Fahrbahnbelag der Straßenbrücke besteht aus einem etwa 10 mm dicken Reaktionsharz-Dünnbelag (RHD-Belag), der auf der Stahlkonstruktion der beiden Brückentafeln aufgebracht ist. Nach rund zehn Jahren intensiver Beanspruchung durch den Schwerlastverkehr hatte der bestehende Dünnbelag seine Nutzungsdauer erreicht und musste vollständig erneuert werden.

Im Auftrag der Hamburg Port Authority übernahmen wir die Bau- und Fertigungsüberwachung und begleiteten die Maßnahme bereits in der Vorplanung möglicher Ausführungsvarianten. Die Ausführung der Arbeiten erfolgte durch die Krebs Gruppe.

Keine Einhausung trotz witterungsabhängiger Verarbeitung

Eine besondere Herausforderung ergab sich aus dem Betrieb der Klappbrücke. Bei Beschichtungsarbeiten dieser Art werden die Arbeitsbereiche üblicherweise eingehaust, um die Verarbeitung des Beschichtungssystems vor äußeren Witterungseinflüssen zu schützen.

Bei der Rethedoppelklappbrücke war eine solche Einhausung jedoch nicht möglich. Für die Großschifffahrt musste die Brücke während der Maßnahme täglich geöffnet werden. Tagsüber war die RDB für den Schiffsverkehr gesperrt, ab 22:00 Uhr wurden die Brückenklappen jedoch geöffnet, um den Schiffen die Passage zu ermöglichen. Lediglich für den Einbau der Deckschicht war ein durchgehender Zeitraum von 36 Stunden ohne Öffnung der Klappen mit der Schifffahrt vereinbart worden, um eine ausreichende Aushärtungszeit für den Belag sicherzustellen.

Eine feste Einhausung hätte diesen Betriebsablauf erheblich eingeschränkt. Daher mussten die Beschichtungsarbeiten vollständig unter freiem Himmel ausgeführt werden.

Oberflächenvorbereitung und Neuaufbau

Nach dem vollständigen Entfernen des bestehenden Dünnbelags wurde die Stahloberfläche sorgfältig vorbereitet. Hierzu erfolgten Schleif- und Kugelstrahlarbeiten.

Wir überwachten die Oberflächenvorbereitung und stellten sicher, dass die für den anschließenden Beschichtungsaufbau erforderlichen Anforderungen eingehalten wurden.

Anschließend erfolgte der Neuaufbau des Dünnbelagssystems durch die Krebs Gruppe. Im Rahmen unserer Bau- und Fertigungsüberwachung kontrollierten wir kontinuierlich die Ausführungsqualität. Dabei standen insbesondere die Oberflächenvorbereitung, die Einhaltung der geforderten Schichtdicken sowie die Verarbeitung der einzelnen Systemkomponenten im Fokus.

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Die kugelgestrahlte Oberfläche der Rethedoppelklappbrücke.
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Beginn der Nachtschicht bei Sonnenuntergang.

Wenn das Wetter zum entscheidenden Faktor wird

Durch den Verzicht auf eine Einhausung waren die Beschichtungsarbeiten unmittelbar von den jeweiligen Witterungsbedingungen abhängig. Neben Niederschlag und Luftfeuchtigkeit, die bei der Planung zunächst als wesentliche Einflussfaktoren betrachtet wurden, stellte uns während der Ausführung eine außergewöhnliche Hitzewelle vor eine zusätzliche Herausforderung bei der Verarbeitung des Beschichtungssystems.

Bauteiltemperaturen von bis zu 40 °C erschwerten die Verarbeitung des Beschichtungssystems erheblich. Die hohen Temperaturen beeinflussten die Arbeitsbedingungen und erforderten eine kurzfristige Anpassung des geplanten Bauablaufs.

Gemeinsam mit allen Projektbeteiligten entwickelten wir eine pragmatische Lösung: Die Beschichtungsarbeiten wurden in die kühleren Nachtstunden verlegt. Gleichzeitig wurde die Mannschaftsstärke verdoppelt, sodass jeweils eine komplette Brückenhälfte innerhalb einer Nachtschicht bearbeitet werden konnte.

Flexibilität bei einem eng getakteten Bauablauf

Die besonderen betrieblichen und witterungsbedingten Randbedingungen erforderten eine enge Abstimmung aller Beteiligten. Änderungen mussten kurzfristig bewertet und unmittelbar in den Bauablauf integriert werden.

Durch die Verlagerung der Arbeiten in die Nachtstunden und die Verstärkung der Mannschaft konnte das zur Verfügung stehende Zeitfenster optimal genutzt werden. Gleichzeitig stellten wir durch die kontinuierliche Bau- und Fertigungsüberwachung sicher, dass die geforderten Qualitätsstandards auch unter den erschwerten Bedingungen eingehalten wurden.

Die tägliche Öffnung der Brücke für die Großschifffahrt blieb dabei ein fester Bestandteil der Bauablaufplanung.

Erfolgreicher Abschluss trotz besonderer Randbedingungen

Trotz der fehlenden Einhausung, der täglichen Öffnung für den Schiffsverkehr und der außergewöhnlich hohen Temperaturen konnte die Erneuerung des Dünnbelags innerhalb des eng getakteten Zeitfensters erfolgreich und termingerecht abgeschlossen werden.

Die enge Abstimmung zwischen Auftraggeber, ausführendem Unternehmen und uns als Bau- und Fertigungsüberwachung ermöglichte es, flexibel auf die wechselnden Randbedingungen zu reagieren und gleichzeitig die erforderliche Ausführungsqualität sicherzustellen.

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Der neue Dünnbelag auf der Rethedoppelklappbrücke – noch ohne Fahrbahnmarkierung.

Qualitätssicherung unter besonderen Bedingungen

Das Projekt zeigt, dass bei anspruchsvollen Beschichtungsarbeiten nicht nur die technische Ausführung, sondern auch die Rahmenbedingungen entscheidend für den Projekterfolg sind.

Wir begleiteten die Maßnahme von der Vorplanung möglicher Ausführungsvarianten bis zur Fertigstellung und überwachten während der Bauausführung insbesondere die Oberflächenvorbereitung, Schichtdicken und Verarbeitung der einzelnen Systemkomponenten.

Durch vorausschauende Planung, eine enge Kommunikation mit allen Projektbeteiligten und die flexible Anpassung des Bauablaufs konnten wir auch unter außergewöhnlichen Bedingungen eine fachgerechte und termingerechte Erneuerung des Dünnbelags gewährleisten.